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Zeit & Aufwand

Social Media für kleine Unternehmen: der ehrliche Zeitaufwand

30. Juli 2026·7 Minuten Lesezeit·TALAVY

Fast niemand kennt diese Zahl für den eigenen Betrieb. Geschätzt wird sie regelmäßig zu niedrig — weil die kleinen Posten dazwischen nicht mitgezählt werden. Hier stehen die belegten Marktwerte und eine Aufschlüsselung, mit der du deine eigene Zahl in zehn Minuten ausrechnest.

Was die Marktdaten sagen

Es gibt zu dieser Frage belastbare Erhebungen, und ihre Ergebnisse liegen erstaunlich nah beieinander:

AusgangslageAufwand pro Woche
Unternehmen mit wenig Erfahrungca. 5 Stunden
Selbstständige, Konzeption + Content + Community8–10 Stunden
Unternehmen mit mehr als 3 Jahren Aktivitätüber 20 Stunden
Hybrid-Modell: intern nur Fotos und Videosca. 2 Stunden

Die dritte Zeile überrascht die meisten. Sie ist aber logisch: Wer länger dabei ist, bespielt mehr Kanäle, hat mehr Community und produziert aufwendigere Formate. Erfahrung senkt den Aufwand nicht, sie erhöht ihn — weil der Anspruch mitwächst.

Die letzte Zeile ist die interessanteste. Zwei Stunden pro Woche sind erreichbar, wenn Planung, Texten und Auswertung nicht mehr im Haus passieren und intern nur noch das bleibt, was niemand anderes machen kann: die Aufnahmen vom eigenen Betrieb.

Die neun Posten, aus denen die Zeit besteht

Wer seinen Aufwand schätzt, denkt an das Schreiben und das Posten. Tatsächlich sind es neun Posten, und die Hälfte davon fällt niemandem ein.

AufgabeTypischer AufwandWird unterschätzt, weil …
1. Ideen & Recherche50 Min./Woche + 8 Min. je Beitrages sich nicht wie Arbeit anfühlt — Scrollen zählt mit
2. Redaktionsplanung40 Min./Woche + 5 Min. je Kanaloft gar nicht stattfindet, dann aber jede Woche neu
3. Textenca. 22 Min. je Beitragder dritte Anlauf beim Einstiegssatz nicht mitgezählt wird
4. Fotos & Videosca. 20 Min. je BeitragVorbereitung, Aufbau und Nachbearbeitung dazugehören
5. Kanalweise anpassen & einplanenca. 7 Min. je Beitrag und Kanales klein wirkt und sich multipliziert
6. Freigaben abstimmenca. 30 Min./Woche je MarkeWarten und Nachfragen nicht als Zeit gelten
7. Community-Management15–45 Min./Wochees zwischendurch am Handy passiert
8. Reportingca. 80 Min./Monat je Markees nur monatlich anfällt und dann geblockt werden muss
9. Newsletter & Blog85 bzw. 140 Min. je Stücksie oft nicht zu „Social Media“ gezählt werden

Die versteckte Multiplikation

Posten 5 ist der lehrreichste. Sieben Minuten pro Beitrag und Kanal klingen nach nichts. Bei fünf Beiträgen und drei Kanälen sind das aber 105 Minuten pro Woche — mehr als eineinhalb Stunden, nur für Anpassen und Einplanen. Bei acht Kanälen wären es 280 Minuten. Jeder zusätzliche Kanal kostet mehr, als er auf dem Papier aussieht.

Rechne selbst, in zehn Minuten

Nimm die Tabelle oben und streiche die Zeilen, die bei dir nicht anfallen. Setze in die übrigen deine eigenen Zahlen ein — Beiträge pro Woche, Kanäle, Marken. Die Summe ist deine Wochenzahl. Multipliziert mit 4,33 hast du den Monat, multipliziert mit deinem Stundenwert hast du den Betrag, gegen den jede Alternative antreten muss.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Eine Beraterin, eine Marke, vier Beiträge pro Woche, drei Kanäle. Sie macht Ideen, Planung, Texte, Visuals und das Einplanen selbst, kein Newsletter, kein Blog, kein Reporting:

  • Ideen & Recherche: 50 + (4 × 8) = 82 Min.
  • Redaktionsplanung: 40 + (3 × 5) = 55 Min.
  • Texten: 4 × 22 = 88 Min.
  • Fotos & Videos: 4 × 20 = 80 Min.
  • Anpassen & einplanen: 4 × 3 × 7 = 84 Min.

Summe: 389 Minuten, also rund 6,5 Stunden pro Woche. Das sind 28 Stunden im Monat. Bei einem Stundenwert von 90 € entspricht das 2.520 € gebundener Arbeitszeit pro Monat — bei vier Beiträgen pro Woche und ohne Newsletter, ohne Blog, ohne Auswertung.

Der Wert liegt genau in dem Korridor, den die Marktdaten für Selbstständige nennen. Das ist ein gutes Zeichen für die Rechnung — und ein unangenehmes für den Kalender.

Welche Posten sich reduzieren lassen und welche nicht

Hier wird oft zu viel versprochen. Die realistische Einordnung:

PostenReduzierbarWarum
Recherche, Planung, Textenstark, 80–85 %aus Erstellen wird Prüfen — der Entwurf liegt vor
Kanalweise einplanensehr stark, ca. 90 %einmal freigeben statt achtmal einstellen
Reportingstark, ca. 85 %Kennzahlen laufen automatisch zusammen
Freigabenmittel, ca. 70 %ein Portal ersetzt E-Mail-Runden, die Entscheidung bleibt
Fotos & Videosgering, ca. 30 %Skript und Briefing sparen die Vorbereitung, nicht das Drehen
Community-ManagementkaumAntworten auf echte Menschen gehören zu dir

Für das Beispiel oben bedeutet das: von 6,5 Stunden bleiben etwa 1,8 Stunden pro Woche. Die größte Restposition sind die Visuals — und das ist richtig so. Bei Expertenmarken ist das eigene Gesicht der Grund, warum jemand zuhört.

Die drei häufigsten Denkfehler

  1. „Ich mache das nebenbei, das kostet nichts.“ Nebenbei ist die teuerste Betriebsart. Wer zwischen zwei Kundenterminen an einer Caption arbeitet, braucht das Doppelte und bekommt das schlechtere Ergebnis. Geblockte Zeit ist günstiger als verteilte.
  2. „Wenn ich es einmal aufgesetzt habe, läuft es.“ Der Aufsetzaufwand ist einmalig, der Betriebsaufwand nicht. Wer nur die Einrichtung plant, hat den kleineren Teil geplant.
  3. „Mehr Kanäle kosten kaum mehr, es ist ja derselbe Inhalt.“ Identische Beiträge auf mehreren Kanälen funktionieren nicht — jeder Kanal hat eigene Formatlogik. Und selbst beim Anpassen multipliziert sich Posten 5.

Was du mit der Zahl machst

Sobald du deine Zahl kennst, wird die Entscheidung einfach. Sie beantwortet drei Fragen auf einmal: ob eine Agentur teuer ist, ob ein System sich rechnet und ob der aktuelle Zustand haltbar bleibt.

Und sie beantwortet eine vierte, die selten gestellt wird: Was hättest du in diesen Stunden sonst gemacht? Bei Expertenbetrieben ist die Antwort meist: Kundenarbeit, die verrechenbar ist. Das ist der eigentliche Preis.

Rechne deine eigene Zahl aus

Der Zeitrechner schlüsselt deinen Aufwand nach den neun Aufgaben aus diesem Artikel auf und zeigt, was davon bleibt. Alle Annahmen liegen offen.

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