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Kosten & Wirtschaftlichkeit

Was eine Social-Media-Agentur 2026 kostet — und wann sich das rechnet

30. Juli 2026·7 Minuten Lesezeit·TALAVY

Die Frage kommt fast immer zu spät: erst nach dem dritten Angebot, wenn die Spannen so weit auseinanderliegen, dass man nicht mehr weiß, was normal ist. Hier stehen die Zahlen, die im DACH-Raum tatsächlich verlangt werden — und eine Rechnung, mit der du für deinen eigenen Betrieb entscheiden kannst.

Die Preisspannen im DACH-Raum

Agenturpreise wirken willkürlich, weil sie selten nach demselben Maßstab kalkuliert werden. Aus mehreren aktuellen Marktübersichten für Österreich und Deutschland ergibt sich trotzdem ein erkennbares Muster:

LeistungsniveauKosten pro MonatTypischer Umfang
Einstieg, minimalab ca. 250 €wenige Beiträge, ein Kanal, kaum Strategie
Starterpaket800–1.200 €ein bis zwei Kanäle, regelmäßige Beiträge, lokale Betriebe
Wachstum1.500–3.500 €zwei bis drei Kanäle, hochwertiger Content, laufende Abstimmung
Performanceab 4.500 €größere Onlineshops, Skalierung, Anzeigenmanagement
Deutschland, Gesamtspanne1.000–10.000 €abhängig von Umfang und Betriebsgröße
Stundenweise90–160 € / StundeAgentur-Stundensätze in Österreich

Zwei Dinge fallen an diesen Zahlen auf. Erstens: Zwischen dem minimalen Einstieg und dem Starterpaket liegt ein Faktor von drei bis vier — und der Unterschied ist meist nicht die Menge der Beiträge, sondern ob überhaupt eine Strategie dahinter liegt. Zweitens: Werbebudget ist in keiner dieser Zahlen enthalten. Für eine durchgehende Kampagne werden für österreichische KMU mindestens 400 bis 600 € Anzeigenbudget pro Monat empfohlen. Das kommt oben drauf.

Der Posten, den niemand einrechnet

Eine Agentur nimmt dir Produktion und Planung ab, nicht die Zulieferung. Briefings geben, Rückfragen beantworten, Freigaben erteilen, Themen liefern, Fotos vom Betrieb bereitstellen: Das bleibt bei dir und kostet je nach Betreuungsmodell zwei bis fünf Stunden pro Monat. Bei einem eigenen Stundenwert von 90 € sind das weitere 180 bis 450 € an gebundener Zeit.

Warum die Spannen so weit auseinanderliegen

Der Preis einer Agentur setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen, die selten getrennt ausgewiesen werden:

  1. Strategie und Konzeption. Positionierung, Content-Säulen, Redaktionsplanung. Das ist der Teil mit dem größten Hebel und der geringsten Sichtbarkeit — und deshalb der Teil, der in günstigen Paketen zuerst wegfällt.
  2. Produktion. Texte, Grafiken, Foto, Video. Skaliert direkt mit der Menge und ist der teuerste Posten, sobald bewegte Bilder dazukommen.
  3. Koordination. Abstimmungsrunden, Freigabeschleifen, Reporting. Nicht verrechenbar im engeren Sinn, aber real vorhanden — und in jedem Preis eingerechnet.
  4. Community-Management. Kommentare, Nachrichten, Bewertungen. Wird häufig separat berechnet oder gar nicht angeboten.

Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht nach dem Monatspreis fragen, sondern nach der Aufteilung auf diese vier Posten. Zwei Angebote über 1.200 € können völlig unterschiedliche Dinge bedeuten.

Die Rechnung, die wirklich entscheidet

Der Monatspreis allein sagt nichts. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen den Kosten und dem Wert eines gewonnenen Kunden. Diese Rechnung lässt sich in zwei Zeilen machen:

Wie viele zusätzliche Kunden brauche ich, damit sich die monatlichen Kosten decken — und ist diese Zahl realistisch?

Wert eines NeukundenStarterpaket 1.000 €/MonatRealistisch?
unter 500 €2+ Neukunden pro Monat, nur zur Deckunganspruchsvoll — Social Media müsste der Hauptkanal sein
500–5.000 €ca. 1 Neukunde pro Monatmachbar, wenn die Zielgruppe erreichbar ist
über 5.000 €1 Neukunde pro Quartal reichtgut — hier rechnet sich eine Agentur schnell

Daraus folgt eine unbequeme Erkenntnis: Für Betriebe mit hohem Auftragswert ist eine Agentur wirtschaftlich meist die einfachste Antwort. Ein einziger zusätzlicher Auftrag im Quartal deckt die Kosten. Genau diese Betriebe entscheiden sich trotzdem häufig gegen die Agentur — aus anderen Gründen.

Warum Expertenbetriebe Agenturen verlassen, obwohl die Rechnung aufgeht

Wenn wir mit Beratungen, Kanzleien, Maklerbüros oder Personaldienstleistern sprechen, hören wir selten „zu teuer“ als ersten Grund. Wir hören drei andere Sätze:

  • „Es klingt nicht nach uns.“ Die Beiträge sind handwerklich saubere Marketing-Texte, aber die fachliche Tiefe fehlt. Wer das Fach beherrscht, merkt sofort, wenn der Text an der Oberfläche bleibt.
  • „Ich liefere mehr, als ich dachte.“ Themen, Hintergründe, Fachprüfung, Freigabe. Die Arbeit wurde nicht abgegeben, sie hat nur ihre Form geändert.
  • „Ich weiß nicht, was ich davon habe.“ Reichweite steigt, Anfragen nicht sichtbar. Ohne klare Zurechnung fühlt sich jeder Monat wie eine Wette an.

Das erste Problem ist das eigentliche. Fachliche Tiefe kann eine Agentur nicht kaufen, nur abrufen — bei dir. Und je spezieller dein Fach, desto häufiger muss sie abrufen.

Die drei Wege im direkten Vergleich

AgenturFreie KraftEigenes System
Kosten pro Monat800–3.500 €720–1.280 € (8 Std.)99–499 €
Strategie enthaltenab Wachstumspaketseltenja, als geführter Ablauf
Deine Zeit pro Monat2–5 Std. Zulieferung3–6 Std. Steuerung4–8 Std. Prüfung, Visuals, Freigabe
Fachliche Tiefeüber deine Zulieferungüber deine Zulieferungüber dein Markenprofil, einmal erarbeitet
Abhängigkeithoch — Wissen liegt außenhoch — an einer Personniedrig — Wissen bleibt im Haus
Skaliert bei mehreren Markenlinear teurerlinear teurerja, im Paketpreis

Die Zeitangabe in der letzten Spalte ist wichtig, weil sie oft weggelassen wird. Ein System nimmt dir nicht alles ab. Es nimmt dir Recherche, Planung, Texten und Reporting ab. Bei dir bleiben die Kontrolle des Plans, die Produktion von Fotos und Videos und die Freigabe. Wer das nicht will, ist mit einer Agentur besser beraten — und sollte dann auch die 1.200 € einplanen.

Die ehrliche Grenze

Kein System dreht deine Videos. Es liefert dir das Skript, die Regieanweisung und das Visual-Briefing — aber vor der Kamera stehst du. Genau das ist bei Expertenmarken meist erwünscht: Menschen wollen dich sehen, nicht eine Bildagentur. Wer aber grundsätzlich nicht vor die Kamera will, braucht eine Produktion. Und die kostet.

Wann welcher Weg der richtige ist

Zusammengefasst und ohne Diplomatie:

  • Agentur, wenn dein Auftragswert über 5.000 € liegt, du Produktion wirklich abgeben willst und du bereit bist, fachliche Zulieferung als festen Termin einzuplanen.
  • Freie Kraft, wenn du eine klare, begrenzte Aufgabe hast — etwa Grafiken oder Videoschnitt — und die Strategie selbst behalten willst.
  • Eigenes System, wenn deine Expertise das Produkt ist, du die Kontrolle über den Ton behalten willst und dich die Menge der Arbeit stört, nicht die Arbeit selbst.
  • Nichts davon, wenn deine Kunden ausschließlich über Empfehlung kommen und dein Kalender voll ist. Dann ist Social Media eine Investition in die Zukunft, kein akutes Problem — und darf warten, bis der Kopf frei ist.

Die Zahl, die du selbst kennen solltest

Bevor du irgendein Angebot vergleichst, rechne einen einzigen Wert aus: wie viele Stunden Social Media dich heute im Monat kostet. Nicht geschätzt, sondern nach Aufgaben aufgeschlüsselt — Recherche, Planung, Texten, Produktion, Einplanen, Abstimmen, Reporting. Multipliziert mit deinem Stundenwert bekommst du die Zahl, gegen die jedes Angebot antreten muss.

Erfahrungswerte: Selbstständige investieren fünf bis zehn Stunden pro Woche, Betriebe mit mehrjähriger Social-Media-Aktivität deutlich mehr. Bei 90 € Stundenwert und sechs Stunden pro Woche sind das rund 2.340 € pro Monat an gebundener Arbeitszeit. Das ist mehr als jedes Starterpaket — und die meisten Betriebe haben diese Zahl nie ausgerechnet.

Rechne mit deinen eigenen Zahlen

Der Zeitrechner der Social Suite schlüsselt deinen tatsächlichen Aufwand nach Aufgaben auf und stellt ihn dem Agenturpreis gegenüber. Alle Annahmen liegen offen.

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