Vibe-Coding mit
Claude Code und n8n
Mein Vortrag beim AI Meetup Vorarlberg im GlessHub Lustenau – vom Prompter zum Orchestrator. Ein Rückblick auf das, was wirklich zählt.
Am 17. Juni 2026 stand ich beim AI Meetup Vorarlberg im GlessHub Lustenau auf der Bühne. Mein Thema: Vibe-Coding mit Claude Code und n8n – und die Frage, wie aus einer Idee ein echtes Produkt wird. Ich komme von der Bühne und aus dem Video-Coaching, ich bin keine Entwicklerin. Genau deshalb war dieser Abend für mich der richtige Ort, um ehrlich zu zeigen, was heute geht – und wo die Grenzen liegen.
Was ich mitgebracht habe, war kein Hochglanz-Vergleich zweier Tools. Es war ein Erfahrungsbericht: Was funktioniert, was schiefgeht, und wie ich aus „Vibes" etwas baue, das hält. Diesen Rückblick teile ich hier für alle, die nicht dabei sein konnten.
Vom Prompter zum Orchestrator: Warum die Idee zurück ins Zentrum rückt
Vibe-Coding bedeutet, mit KI-Unterstützung zu bauen, ohne jeden einzelnen Schritt selbst zu programmieren. Der Begriff stammt vom KI-Forscher Andrej Karpathy (2025): sich den Vibes hingeben und „vergessen, dass der Code überhaupt existiert". 2025 wurde „Vibe Coding" zum Wort des Jahres des Collins-Wörterbuchs. Branchenerhebungen aus demselben Jahr sprechen davon, dass rund 92 Prozent der Entwickler:innen täglich KI nutzen und etwa 46 Prozent des neuen Codes KI-generiert ist – Größenordnungen, die zeigen, wohin sich das Arbeiten bewegt.
Sam Altman hat das auf den Stripe Sessions 2026 zugespitzt: „the revenge of the idea guys". Lange war technisches Talent die wichtigste Zutat im Team. Wenn Bauen günstiger wird, zählen auch jene, die ihre Nutzer:innen tief verstehen – selbst wenn sie nicht programmieren. Handwerk und Erfahrung bleiben wichtig, sie bekommen nur neue Werkzeuge. Für mich heißt das konkret: Ich bin nicht mehr nur die, die Prompts eintippt. Ich dirigiere ein System aus spezialisierten Bausteinen – ich bin Orchestratorin.
Wer denken kann, kann prompten. Aber wer ein Produkt bauen will, muss orchestrieren.
Die Risiken sind real – und sie sind handhabbar
Vibe-Coding hat eine klare Schattenseite: Tempo ohne Verständnis. Wer einfach drauflosbaut, produziert schnell Tonnen nicht reviewten Codes – fehleranfällig, mit Sicherheitslücken, die man selbst gar nicht sieht. Diesen Teil habe ich im Vortrag nicht weggelassen. Selbst bauen zu können, ist trotzdem ein echter Gewinn, den man nicht ausschlagen sollte. Der Weg dazwischen besteht darin, den Code zu härten.
Bei mir passiert das auf drei Arten: gut gebaute Skills, die jeden Bauschritt nach festen Regeln ablaufen lassen. Automatisierte Reviews schon während des Bauens. Und – wo es zählt – ein Mensch mit Entwicklungs-Erfahrung als Kontrollinstanz. Eine eigene Rolle dabei ist mein Skill /angriff: Ich greife mein Produkt an, bevor es ein anderer tut, aus vier feindseligen Brillen – Hacker:in (sucht Lücken und geleakte Schlüssel), Skeptiker:in (zerpflückt jedes Versprechen), Journalist:in (sucht den Skandal) und Konkurrent:in (will dem Produkt aktiv schaden). Der Skill recherchiert vorher die aktuellen Angriffsmethoden und berichtet erst – gefixt wird nur nach meiner Freigabe.
Die KI ist nur so gut wie das, was ich ihr beibringe
Nicht nur die Architektur muss stimmen, auch der Inhalt. Das war einer der wichtigsten Punkte des Abends. Eine gute Hook schreibt die KI erst, wenn ich vorher selbst weiß, was eine gute Hook ausmacht. In meiner TALAVY Social Suite schreibt der Agent HUGO nur deshalb starke Hooks, weil ich ihm neun Hook-Typen mit Formeln mitgegeben habe. Der Agent TRENT findet aktuelle Branchentrends nur, weil ich ihm genau gesagt habe, woher er sie holt und wie frisch sie sein müssen. Die KI erweitert mein Fachwissen – sie ersetzt es nicht.
Damit das funktioniert, lebt der Zustand bei mir in Dateien, nicht im Chat. Drei Bausteine tragen dieses Fundament: ein PRD mit Roadmap und Architektur als die eine Wahrheitsquelle, eine CLAUDE.md als Projekt-Gedächtnis, das in jedem Chat automatisch dabei ist, und ein Ordner mit rules – meine Standards für Sicherheit, Backend und Frontend, an die sich jeder Bauschritt hält. Wird ein Chat lang, liest die KI diese Dateien einfach neu. Der Chat vergisst, die Dateien nicht.
Claude Code vs. n8n? In Wahrheit ein Und, kein Gegeneinander
Claude Code und n8n sind keine Konkurrenten – sie lösen unterschiedliche Aufgaben im selben Werkzeugkasten. Claude Code ist mein Bauwerkzeug: Dashboard, Logik, alles, was kein fertiger Baustein abbildet. n8n ist mein Fließband: Es lässt die Workflows rund um die Uhr laufen, ganz ohne dass mein Rechner an sein muss. Auf YouTube heißt es gern „n8n ist tot". Das stimmt nicht. In n8n wird jede Ausführung gespeichert, ich sehe pro Schritt, was rein- und rausging. Es ist auf Zuverlässigkeit gebaut, läuft 24/7 und bringt über 400 fertige Anbindungen mit, die ich nicht selbst programmieren muss.
Das beste Beispiel ist mein erstes echtes Ergebnis: die TALAVY Social Suite. 47 Workflows in n8n, 9 spezialisierte KI-Agenten, 11 Marken – der erste Kunde ist gerade im Onboarding. Claude Code hat das Dashboard und die Logik gebaut, n8n lässt die Pipeline laufen. Genau hier löst sich das „vs." auf: Es ist das Bauwerkzeug und das Fließband, zusammen.
Häufige Fragen
Was ist Vibe-Coding?
Vibe-Coding beschreibt einen Arbeitsmodus, bei dem man mit KI-Unterstützung baut, ohne jeden Schritt selbst zu programmieren. Der Begriff wurde 2025 von KI-Forscher Andrej Karpathy geprägt und im selben Jahr zum Collins-Wort des Jahres gewählt. Für Nicht-Entwickler:innen öffnet das echte Türen – setzt aber voraus, die Ergebnisse beurteilen zu können.
Was ist der Unterschied zwischen Claude Code und n8n?
Claude Code ist ein KI-gestützter Coding-Assistent: Man beschreibt in natürlicher Sprache, was man braucht, und bekommt ausführbaren Code. n8n ist ein visuelles Automatisierungstool für Workflows, Datenflüsse und Schnittstellen – ohne Programmierkenntnisse. In der Praxis ergänzen sie einander: Claude Code baut, n8n lässt laufen.
Ist Vibe-Coding sicher genug für echte Produkte?
Ja, wenn der Code gehärtet wird. Drei Hebel sind dafür entscheidend: regelbasierte Skills für jeden Bauschritt, automatisierte Reviews schon beim Bauen und ein Mensch mit Entwicklungs-Erfahrung als Kontrollinstanz. Ohne diese Absicherung entsteht schnell nicht reviewter Code mit Sicherheitslücken.
Was ist das AI Meetup Vorarlberg?
Das AI Meetup Vorarlberg ist eine Community-Veranstaltung im GlessHub Lustenau mit Kurzvorträgen, Live-Demos und offener Diskussion – ausschließlich vor Ort, ohne Livestream. Es richtet sich an alle, die KI ernsthaft einsetzen oder verstehen wollen. Infos: ai.glesshub.at.
Fazit
Vibe-Coding ist für mich kein Knopfdruck-Versprechen, sondern eine neue Rolle: weg vom reinen Prompten, hin zum Orchestrieren eines Systems, das ich verstehe, absichere und steuere. Claude Code und n8n sind dabei keine Gegner, sondern zwei Werkzeuge mit klaren Stärken und klaren Grenzen.
Was ich aus dem GlessHub Lustenau mitgenommen habe: Die Idee rückt zurück ins Zentrum – aber sie braucht ein Fundament aus Wissen, Regeln und Kontrolle, damit aus einer mutigen Idee ein sicheres Produkt wird. Danke an alle, die da waren und mitdiskutiert haben.
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